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Geier gehören durch ihre spezielle Nahrungsnische zu einer wichtigen Komponente in vielen wilden und urbanen Ökosystemen. Generell kann zwischen Neuwelt- und Altweltgeiern unterschieden werden. Erstere leben ausschließlich in Nord- und Südamerika, während Letztere sowohl Asien, Europa als auch Afrika bewohnen. Weltweit gibt es 22 Arten von Geiern und Kondoren von denen derzeit mehr als 68% mit einem Gefährdungsstatus in der IUCN Red List (The IUCN Red List of Threatened Species, 21-2) kategorisiert sind.

Afrikanische Geier – Steckbrief

  • Arten: Weißrückengeier (Gyps africanus), Gänsegeier (Gyps fulvus), Mönchsgeier (Aegypius monachus), Wollkopfgeier (Trigonoceps occipitalis), Kappengeier (Necrosyrtes monachus), Ohrengeier (Torgos tracheliotos), Bartgeier (Gypaetus barbatus), Sperbergeier (Gyps rueppellii), Palmengeier (Gypohierax angolensis), Schmutzgeier (Neophron percnopterus), Kapgeier (Gyps coprotheres)
  • Gewicht: 8-15 kg*
  • Nahrung: Aas (kleine bis größere Säugetiere, Vögel, Reptilien)*
  • Anzahl der Nachkommen: 1-2 pro Jahr*
  • Lebenserwartung: 25-40 Jahre*
  • Verbreitungsgebiet: weite Teile Afrikas
  • Lebensraum: meist Steppe oder Halbwüste*Hauptgefahren: Vergiftung, Infrastruktur, Handel und Jagd, Lebensraumverlust, Bejagung ihrer Beutetiere

*variiert nach Art

Gefährdungsstatus, Bedrohungen und Schutz

In Afrika leben elf Geierarten: der Weißrückengeier (Gyps africanus), der Gänsegeier (Gyps fulvus), der Mönchsgeier (Aegypius monachus) der Wollkopfgeier (Trigonoceps occipitalis), der Kappengeier (Necrosyrtes monachus), der Ohrengeier (Torgos tracheliotos), der Bartgeier (Gypaetus barbatus), der Sperbergeier (Gyps rueppellii), der Palmengeier (Gypohierax angolensis), der Schmutzgeier (Neophron percnopterus) und der Kapgeier (Gyps coprotheres). Laut der IUCN Red List zählen bereits 44% der afrikanischen Geierarten als vom Aussterben bedroht. Die Ursachen dieses enormen Bestandsrückgangs sind divers, dennoch können auf Grundlage von wissenschaftlichen Studien vier Hauptgründe hervorgehoben werden.
Ogada et al. (2016) gehen auf Grundlage ihrer Recherche von folgenden Ursachen aus:

Vergiftungen
Vergiftungen, sowohl absichtlich (wie beispielsweise durch Wilderer, die verhindern wollen, dass Tierkadaver durch am Himmel kreisende Geier auffallen) als auch unabsichtlich (wie beispielsweise durch vergiftete Tierkadaver, die eigentlich gegen Raubtiere von Viehbeständen eingesetzt wurden) zählten mit 61% aller Todesursachen mit Abstand zu den verheerendsten. Meist werden hierfür hochtoxische landwirtschaftliche Pestizide verwendet, die in der Regel zum Anbau von Baumwolle genutzt werden (Murn and Botha, 2017).

Handel
Der Handel, der Konsum und die Verbreitung von traditioneller Heilkunde zählte mit 29% zu der zweithäufigsten Todesursache. Auf Wildfleischmärkten in West- und Zentralafrika waren 22% aller angebotenen Vogelarten mit einem Gefährdungsstatus der IUCN Red List kategorisiert. Besonders Kappengeier und Palmengeier wurden dort in höheren Zahlen vertrieben (Buji et al., 2016). In manchen Gegenden werden Geiern magische Kräfte und die Fähigkeit in die Zukunft schauen zu können zugesprochen.

Infrastruktur
Infolge von energetischer Infrastruktur wie Hochspannungsleitungen oder Windrädern starben 9% aller Geier durch Stromschläge oder Kollisionen.

Jagd
Die Jagd mit anschließendem Konsum des Geierfleischs war für 1% der Todesursachen verantwortlich.

Weitere Gefahren
Zudem tragen Faktoren wie Lebensraumverlust und abnehmende Nahrungsverfügbarkeit einen beachtlichen Teil zur Problemlage bei. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass sich die Signifikanz aller genannten Ursachen in jeder Region unterscheidet (Bamford, Monadjem und Hardy, 2009).

Herausforderungen und Perspektiven

In vielen Ländern fehlen wichtige Grundlageninformationen, um den Fortschritt des Rückgangs der jeweiligen Geierpopulationen zu ermessen. Ohne eine fundierte Datengrundlage, sowohl über Geierpopulationen als auch über ethnobiologische Themen wie Heilkunde, ist es schwer, effektive Schutzmaßnahmen einzuleiten. Eines dieser Länder ist Sambia. Obwohl Nationalparks (8%) und weitere Schutzflächen (GMAS, 22%), insgesamt über 30% des Landes unter Schutz stellen und die Populationsdichte mit 42 Menschen/km² zu einer vergleichsweise geringen Besiedlung zählt, hat das Land weiterhin mit schweren Bestandsrückgängen zu kämpfen.

Seit 1990 werden immer wieder Vergiftungsvorfälle aus Sambia gemeldet (Roxburgh and McDougall, 2012). So etwa starben im Jahr 2020 über 800 Geier (Weißrückengeier, Wollkopfgeier, Kappengeier und Ohrengeier) an einem vergifteten Elefantenkadaver. Dieser Vorfall zählt zu den schwersten je aufgezeichneten Geiervergiftungen im ganzen südlichen Afrika.

Vier Geierarten Sambias im Fokus

Der Human-Wildlife-Konflikt stellt die primäre Ursache für die sinkenden Bestandzahlen dar. Im Zuge einer immer intensiver werdenden Landwirtschaft dringt der Mensch zunehmend in den Lebensraum der Tiere vor und verwandelt Savannenlandschaften in Weideflächen für Vieh, Äcker, Siedlungen oder Bergbau-Stätten.

Im Nachfolgenden wird auf vier afrikanische Geierarten, die in Sambia vorkommen, genauer eingegangen. Dazu gehören:

  • Weißrückengeier, vom Aussterben bedroht mit einer Gesamtpopulation von 270.000 Individuen (IUCN 2018),
  • Kappengeier, vom Aussterben bedroht mit einer Gesamtpopulation von 197.000 Individuen (IUCN 2016)
  • Wollkopfgeier, vom Aussterben bedroht mit einer Gesamtpopulation von 2.500 – 9.999 Individuen (IUCN 2016)
  • Ohrengeier, bedroht mit einer Gesamtpopulation von 5.700 Individuen (IUCN 2016)

Der Weißrückengeier gilt trotz eines Bestands von über einer viertel Millionen Tiere als vom Aussterben bedroht. Ähnlich wie der Wollkopfgeier und Ohrengeier reagiert auch er sehr anfällig auf menschliche Störungen, wie beispielsweise Straßen (Chomba and M’Simuko, 2021; Murn et al., 2016). Im Gegensatz dazu treten Kappengeier besonders in Gegenden mit hoher menschlicher Siedlungsdichte in größeren Zahlen auf (Henriques et al., 2018).

Die Reproduktionsrate aller vier Geierarten ist sehr gering. Normalerweise legen alle Arten pro Jahr ein Ei, nur in seltenen Fällen kann bei Kappengeier oder Ohrengeier ein zweites gelegt werden (Gibson, 2012).

Maßnahmen zum Geierschutz

Für den Schutz der Geierbestände schlagen Botha, Ogada and Virani (2012) folgenden Ansatz vor:

  1. Effektive Regulation im Import, in der Herstellung, im Verkauf und in der Nutzung von Toxinen, insbesondere landwirtschaftlicher Chemikalien (Pestizide) und pharmazeutischer Produkte, die tödliche Folgen für Geier haben können
  2. Strengere Gesetzeslage und Strafverfolgung gegen Vergiftungstäter und Personen, die illegal mit Geiern und/oder deren Körperteilen handeln
  3. Die Sicherstellung von angemessenen Schutz- und Managementmaßnahmen für Geier und deren Brutstätten
  4. Geierfreundliche Konzeption neuer energetischer Infrastruktur und entsprechende Anpassung existierender Infrastruktur
  5. Unterstützung von Forschung, Kapazitätsaufbau und Outreach-Programmen für die Erhaltung und das Überleben gesunder Geierpopulationen

Diese Ziele erfordern enge Kooperationen zwischen Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen und Wissenschaftlern sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, um existierende Gesetze und Regulationen anzupassen und den illegalen Handel einzuschränken (Henriques et al., 2018).

Entdecken Sie unsere Projekte zum Schutz von Geiern

Der Caring For Conservation Fund setzt sich aktiv für den Geierschutz ein und finanziert ein groß angelegtes Geier Forschungsprojekt in Sambia.

Zu den Projekten

Quellen

  • Bamford, A.J., Monadjem, A. and Hardy, I.C.W. (2009) ‘Nesting habitat preference of the African White-backed Vulture Gyps africanus and the effects of anthropogenic disturbance’, Ibis, 151(1), pp. 51–62. doi:10.1111/j.1474-919X.2008.00878.x.
  • Botha, A., Ogada, D. and Virani, M. (2012) ‘Proceedings of the Pan-Africa Vulture Summit 2012’, in.
  • Buij R, Nikolaus G, Whytock R, Ingram DJ & Ogada D (2016) Trade of threatened vultures and other raptors for fetish and bushmeat in West and Central Africa. Oryx, 50 (4), pp. 606-616. https://doi.org/10.1017/s0030605315000514
  • Chomba, C. and M’Simuko, E. (2021) ‘A Descriptive Study on Nesting Patterns of Raptors; White Backed Vulture (Gyps africanus) and African Fish Eagle (Haliaeetus vocifer), in Lochinvar National Park on the Kafue Flats, Zambia’, Challenging Issues on Environment and Earth Science Vol. 5, pp. 123–130. doi:10.9734/bpi/ciees/v5/4275D.
  • Cunningham, A. B. „Vultures and the trade in traditional medicine.“ Vulture news 24.5 (1990))
  • Gibson, G. (2012) Roberts VII Multimedia Birds of Southern Africa. John Voelcker Book Fund: Southern African Birding CC.
  • Henriques, M. et al. (2018) ‘Not in wilderness: African vulture strongholds remain in areas with high human density’, PLOS ONE, 13(1), p. e0190594. doi:10.1371/journal.pone.0190594.
  • Houston, D. C. „Factors influencing the timing of breeding in African vultures.“ Raptors in the modern world (1989): 203-210.
  • Monadjem, A. and Garcelon, D.K. (2005) ‘Nesting distribution of vultures in relation to land use in Swaziland’, Biodiversity & Conservation, 14(9), pp. 2079–2093. doi:10.1007/s10531-004-4358-9.
  • Murn, C. et al. (2016) ‘Using Africa’s protected area network to estimate the global population of a threatened and declining species: a case study of the Critically Endangered White-headed Vulture Trigonoceps occipitalis’, Ecology and Evolution, 6(4), pp. 1092–1103. doi:10.1002/ece3.1931.
  • Murn, C. and Botha, A. (2017) ‘A clear and present danger: Impacts of poisoning on a vulture population and the effect of poison response activities’, Oryx, 52, pp. 1–7. doi:10.1017/S0030605316001137.
  • Ogada, D. et al. (2016) ‘Another Continental Vulture Crisis: Africa’s Vultures Collapsing toward Extinction’, Conservation Letters, 9(2), pp. 89–97. doi:10.1111/conl.12182.
  • Roxburgh, L. and McDougall, R. (2012) ‘Vulture Poisoning Incidents and the Status of Vultures in Zambia and Malawi’, Vulture News, 62. doi:10.4314/vulnew.v62i1.3.The IUCN Red List of Threatened Species (no date) IUCN Red List of Threatened Species. Available at: https://www.iucnredlist.org/en (Accessed: 5 September 2021).